Organisationsentwicklung und ihre Rolle bei der Gestaltung neuer Arbeitswelten.
Experteninterview mit Sebastian Seger.
„Nichts ist so beständig wie der Wandel“, sagte bereits der vorsokratische Philosoph Heraklit von Ephesos. Diese Aussage trifft auch auf Unternehmen im Jahr 2025 zu. Was es im Detail bedarf, um sich sicher in unserer agilen Arbeitswelt zu bewegen und wie wichtig dabei die Organisationsentwicklung ist, skizziert Sebastian Seger, New Work Consultant von wir sind raum Oldenburg im Interview.
Übersicht:
- Der Zusammenhang zwischen Organisationsentwicklung, New Work und Veränderungen
- Warum der Veränderungsprozess von großer Bedeutung ist
- Der Zeitpunkt sich mit Organisationsentwicklung zu beschäftigen
- Begleitung der Projekte
- Herausforderungen der Unternehmen und Learnings aus bereits realisierten Projekten
- Einfluss der Organisationsentwicklung auf die Raumgestaltung
- Relevante Erfolgsfaktoren für die Umsetzung der Projekte
- Persönliche präferierte Arbeit von Herrn Seger
New Work Consultant, wir sind raum Oldenburg
„Umso länger Organisationen damit warten, sich mit der Veränderung ihrer Arbeitswelt zu beschäftigen, umso größer wird die Aufgabenstellung.“
Zum Partner:
Projekte:
Man hört immer wieder unterschiedliche Begriffe, wenn von Veränderung in Unternehmen gesprochen wird. Können Sie kurz erklären, in welchem Zusammenhang „Organisationsentwicklung, New Work und Veränderung“ stehen?
Übersetzt bedeutet New Work im Grunde nichts anderes als „neue Arbeit“ und darum geht es. Es geht um „neue“ Möglichkeiten in der Arbeitswelt. Der Sammelbegriff New Work umfasst u.a. die Art was, wie, wo, womit und mit wem wir arbeiten, welche Haltung wir einnehmen und welche Werte wir leben. Insgesamt ist es sehr vielfältig und wird deshalb häufiger fehlverstanden und vorverurteilt. Wenn sich Organisationen damit auseinandersetzen, geht es zwangsläufig um Veränderungen, da es immer ein Transfer von der „alten“ in die „neue“ Arbeit ist. Diesen Transfer anzustoßen und/oder zu begleiten, ist die Aufgabe der Organisationsentwicklung.
Es wird so oft darüber gesprochen, dass sich die Arbeitswelt verändert und auch die Unternehmen sich verändern müssen. Warum ist der Veränderungsprozess aus Ihrer Sicht so wichtig?
Dass sich die Arbeitswelt stetig verändert, ist erstmal nicht neu. Das was neu ist, ist die rasante Geschwindigkeit und teilweise die starken Auswirkungen auf Unternehmen. Zum einen steigen damit die Chancen, aber zum anderen auch die Risiken. Den verantwortlichen Menschen in Unternehmen muss klar werden, dass die Veränderungen nicht aufhaltbar sind und sie sich und ihren Unternehmen einen Gefallen tun, die Veränderungen bewusst und gesteuert anzugehen.
Wann macht es aus Sicht eines Unternehmens Sinn, sich mit diesen Themen stärker zu beschäftigen?
Im Grunde schon immer und zu jedem Zeitpunkt. Umso länger Organisationen damit warten, umso größer wird die Aufgabenstellung. Es ist gleichzusetzen mit einem Investitionsstau bei der Ausstattung. Irgendwann holt es die Unternehmen ein und das Aufgabenpaket wird riesig. Es ist wichtig zu verstehen, dass der Transfer in vielen kleinen Schritten passieren kann. Wir können gerne mit einfachen und kleinen Maßnahmen beginnen.
Wie begleiten Sie konkrete Projekte? Was ist dabei Ihre Rolle?
Bei wir sind raum sehen wir uns als die Wegbereiter für die Zukunft der Arbeit. Je nach Aufgabenstellung unterscheidet sich unsere Rolle in den Projekten. Von unseren Kunden werden wir u. a. wahrgenommen als externe Berater:innen, Projektleitende, Sparringspartner:innen, Impulsgebende und Vertrauensperson. Unterm Strich sind wir die Profis im Kontext neuer Arbeit, die ihre Kunden unterstützen, dabei aber nicht ins Ziel tragen. Wir zeigen Veränderungsbedarf auf, erstellen einen passenden Maßnahmenplan und begleiten diesen bei Bedarf. Mal intensiv vor Ort und mal aus der Ferne.
Aufgrund unseres breiten Kompetenzfeldes im Consulting-Team können wir im Grunde jede Art von Aufgabenstellung im Kontext Arbeit begleiten. Was uns dabei besonders macht und abgrenzt, sind unsere Blickwinkel. Neben der Fachlichkeit bringen wir eine ausgeprägte Werteorientierung in die Projekte, bespielen die Überschrift „Health“ (Achtsamkeit, Selbstfürsorge, Mental Health, Leistungsfähigkeit), achten auf Diversität, Gleichstellung, Inklusion und Zugehörigkeit und stehen für demokratisches und faires Miteinander.
Vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen bei diesem Prozess und was sind die relevanten Learnings aus bereits realisierten Projekten, die Sie unbedingt mit anderen teilen würden?
Da greife ich gerne das Beispiel von gerade eben auf. „Führungskräfte wünschen sich aktuell gehäuft Aktualisierungen von Stellenprofilen, damit die Mitarbeitenden endlich wieder ihre Aufgaben machen.“ Was steckt dahinter? Im ersten Moment ganz viel Frust, denn die Führungskräfte erleben, dass Aufgaben gefühlt oder wahrhaftig weniger gut oder zeitnah gelöst werden, wie Sie es aus der Vergangenheit gewohnt waren.
Schnell wird dann gesagt, die Leute sind weniger gut organisiert oder sie sind weniger verantwortungsbewusst oder die „Generation“ ist freizeitorientierter, usw. In der Folge eine Aneinanderkettung von Pauschalaussagen, die vielleicht teilweise zutreffen, aber oft nicht die Ursache sind. Diese liegt häufig darin, dass das Arbeitssystem in der Organisation nicht mehr zu den Aufgaben, Rahmenbedingungen und Erwartungen passt. Etablierte statische Arbeitssysteme, die zugehörigen Haltungen und Wertebilder passen einfach nicht mehr in die Zeit. Das ist erstmal blöd, aber Thema und Aufgabe unserer Zeit. Oftmals wird gewünscht, dass die Probleme aus dem „Jetzt“ mit Lösungen der Vergangenheit geklärt werden. Wie z. B. durch Aktualisierung von Stellenprofilen. Bleiben wir bei dem Beispiel. Wir (Büromenschen) managen eine Flut von kleinteiligen Aufgaben, und das mit unterschiedlichsten Werkzeugen, immer unklarer werden den Erwartungen und das in einer kaum auszuhaltenden Geschwindigkeit. Die Vielzahl von Möglichkeiten führt vielerorts zu Überforderungen und im Ergebnis zu Unzufriedenheit. Es muss erkannt werden, dass wir uns in einer agilen Welt bewegen und dass wir unsere Arbeitsweisen anpassen müssen. Es braucht ein angepasstes Bewusst sein und das Loslassen vergangener Lösungsansätze. Diese reichen leider nicht mehr aus.
Warum hat aus Ihrer Sicht das Thema „Organisationsentwicklung“ einen Einfluss auf die Raumgestaltung? Und wie beziehen Sie den Raum in ihre Überlegungen mit ein, sodass auch ein spürbarer Effekt für die Organisation entsteht?
Die Dimension Raum denken wir immer dann mit, wenn die aktuelle Raumsituation die Mitarbeitenden in ihren Tätigkeiten nicht gut stützt. Zum Beispiel, wenn die Mitarbeitenden keine Möglichkeiten haben, fokussiert und in Ruhe arbeiten zu können, wenn die Räumlichkeiten die offene und bereichsübergreifende Kommunikation nicht fördern oder die Räume den Menschen keine Rückzugsmöglichkeiten ermöglichen, um neue Kraft zu tanken.
Es gibt diese und viele weitere Beispiele, die aufzeigen, welche Potenziale die Raumgestaltung mit sich bringen können. Die Kombination aus Organisationsentwicklung und Raumplanung trägt den Namen Workplace Consulting (WPC). Beim WPC schaffen wir bedarfsgerechte Arbeitswelten in Bestands- und Neubauflächen.
Es geht dabei immer um die Schaffung der passendsten funktionalen, emotionalen und nachhaltigen Fläche für das individuelle Team. Funktional bedeutet in dem Kontext, dass Mitarbeitende immer das beste Arbeitsumfeld wählen können, was sie für ihre aktuelle Tätigkeit benötigen. Die Räume sollen gleichzeitig die Menschen auch emotional stützen und die Emotionen stärken, die die Menschen fühlen möchten. Häufige Wünsche gehen in emotionale Richtungen sich willkommen, energiegeladen, kreativ, ruhig und konzentriert zu fühlen. Es geht dabei primär ums Wohlfühlen auf der Arbeit. Abgerundet wird es durch die Nachhaltigkeitsbetrachtung. Dabei achten wir auf die möglichst ökonomisch, ökologisch und sozial fairste Lösung.
Was sind aus Ihrer Sicht die relevanten Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung?
Ganz gleich, ob es sich um Organisationsentwicklung oder Workplace-Consulting handelt, es benötigt immer Offenheit und Ausdauer. Veränderungen brauchen Zeit. In der Regel geht es um Verhaltensveränderungen von Menschen und da braucht es im besten Fall nur ein paar Monate. Es kann aber auch Jahre dauern, um einen großen Transfer zu realisieren. Erfahrungsgemäß braucht es am Anfang einige Erfolgserlebnisse in kleinerem Maßstab. Wir nutzen dafür gerne interne Pilotprojekte, um der Belegschaft den Mehrwert aufzuzeigen. Daraus entstehen meistens die notwendige Neugierde, Verständnis, Offenheit, Begehrlichkeiten und Mut für die größeren Veränderungen.
Losgelöst davon ist es sehr dienlich, wenn die Führungskräfte als Vorbild voran gehen. Das hat immer einen großen und häufig notwendigen Hebel.
Was macht Ihnen bei ihrer Arbeit persönlich am meisten Freude?
Gut fühle ich mich in Situationen, wo Menschen durch meine Unterstützung wachsen konnten, es ihnen dadurch besser geht und sie mir ihre Dankbarkeit ausdrücken. Das sind die Momente, in denen ich meine Wirksamkeit unmittelbar spüren kann.
Über den Autor
Gestartet bin ich nach meiner Ausbildung und meinem Master (M. Eng.) in einem konservativen, aber durchaus wandlungsbegeisterten mittelständischen Unternehmen im ländlichen Raum. In den fünf Jahren dort lag mein Fokus auf dem Themengebiet „Lean Management und Unternehmensentwicklung“. Nach der Position „Projektleiter Veränderungsmanagement“, habe ich als Produktionsleiter an zwei Produktionsstandorten im Maschinen und Anlagenbau rund 100 Mitarbeitende geführt und durfte parallel als Entwicklungsverantwortlicher meine Passion der Produktentwicklung ausleben. Danach ging es für mich in ein frisch gegründetes Start-up als Unternehmensberater. Neben den Kundenprojekten, mit den Schwerpunkten Prozessoptimierung und New Work, konnte ich maßgeblich beim Aufbau des Unternehmens mitwirken. Nach rund vier Jahren bin ich zu wir sind raum gewechselt. Hier durfte ich den Consulting-Bereich mit aufbauen, interne New Work-Projekte initiieren und befinde mich überwiegend in New Work Kundenprojekten im norddeutschen Raum.
"Den verantwortlichen Menschen in Unternehmen muss klar werden, dass die Veränderungen nicht aufhaltbar sind und sie sich und ihren Unternehmen einen Gefallen tun, die Veränderungen bewusst und gesteuert anzugehen"
Sebastian Seger, New Work Consultant bei wir sind raum Oldenburg
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